Lieber Herr Rüttgers,
was Sie nicht alles wissen: Der Rumäne schlechthin kann morgens nicht pünktlich zur 7-Uhr-Schicht erscheinen, geht vor Feierabend schon nachhause und weiß in der Zwischenzeit nicht, was er tut. Ein solches Statement ist an geistiger Armut schwer zu überbieten und ist selbst für NPD und Republikaner zu dümmlich, um als Wahlkampf-Hilfe zu dienen.
Es ist aber nicht nur dümmlich, es ist auch noch falsch. Lassen Sie sich das von jemandem erklären, der als Deutscher seit 9 Jahren ein Unternehmen in Rumänien betreibt und über 30 Mitarbeiter persönlich kennt und führt: Der Rumäne schlechthin ist genauso gut, motiviert, zuverlässig und talentiert - oder eben das genaue Gegenteil - wie der Deutsche schlechthin. Unsere Mitarbeiter jedenfalls haben mich oder das Unternehmen noch nie im Stich gelassen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben Mitarbeiter persönliche Opfer gebracht, um damit den Erhalt aller Arbeitsplätze zu sichern. Und wann immer Kundentermine eingehalten werden mußten, konnte ich mich darauf verlassen, daß notfalls auch die eine oder andere unbezahlte Überstunde klaglos geleistet wurde. Faulenzer und Drückeberger gibt es überall, so natürlich auch dort. Aber sicher nicht mehr oder weniger als hier.
Zudem ist Rumänien das Land mit der weltweit höchsten Dichte an Studierenden je Einwohner (können Sie in OECD-Berichten nachlesen) und einem hervorragenden Ruf in mathematisch-technischen Studiengängen. Da wird schon mal der eine oder andere dabei herauskommen, der vielleicht doch weiß, was er tut… Sie könnten alternativ auch mal zu Microsoft ins Silicon Valley fahren und dort nachsehen, welches die nach Englisch am häufigsten gesprochene Sprache ist: es ist nämlich nicht Hindi oder Urdu, sondern - tatsächlich Rumänisch.
Dann bleibt nur zu hoffen, daß Ministerpräsidenten schlechthin nicht immer solchen Unsinn von sich geben wie Sie. Oder wissen Sie am Ende etwa gar nicht, was Sie da tun?
November 13th, 2009 at 22:59
Hallo Christian, ein hervorragender Konter und ich wünschte mir, Du hättest diesen Blog-Eintrag Brief Herrn Rüttgers auch als Brief geschrieben.
Alle Achtung auch für die Art, wie Du Dich hier einsetzt für Landsleute, die - soweit ich noch in Erinnerung habe - auch kulturell in Europa als Speerspitze bezeichnet werden dürfen.
Sicherlich - wie Du schon erwähnst - sind auch dort wie hier eine Menge schwarzer Schafe unterwegs. Würde ich mir aber ein Urteil über Charakterstärken und Aufrichtigkeit erlauben, so fiele es mir schwer, die Waage nicht einseitig ausschlagen zu sehen.
Danke vielmals,
es hat mich heute nicht nur überrascht, (D)einen Blog hier zu finden, sondern auch der Inhalt in Form dieses ersten Posts, den ich lesen durfte.
Liebe Grüße aus Serfaus,
Hanno