Als Anbieter von Nearshore-Dienstleistungen für den westeuropäischen IT-Markt mit über 10 Jahren Erfahrung sind wir permanent mit der Frage konfrontiert, welches die besten Standorte für Nearshore-Aktivitäten sind. Eine interessante Antwort gibt die aktuelle Studie “A.T. Kearney Global Services Location Index”, derzufolge Bulgarien und Rumänien die attraktivsten osteuorpäischen Lokationen sind. Russland und besonders die Ukraine liegen weit abgeschlagen dahinter.
Besonders hervorgehoben werden in der Studie die große Zahl von qualifizierten IT-Experten, die einen starken akademischen Hintergrund mit großer Sprachenkompetenz kombinieren. So finden sich z.B. in Rumänien europaweit die meisten IT-Fachleute pro Einwohner, was sehr eindrucksvoll die Spezialisierung der Volkswirtschaft auf diese Branche dokumentiert.
Wahr ist natürlich auch, daß Rumänien im Durchschnitt nicht die nominell niedrigsten Stundensätze im osteuropäischen Vergleich bietet. Die Gegenüberstellungen von Stundensätzen, so populär sie auch bei IT-Controllern in der westlichen Hemisphäre sein mögen, spiegeln jedoch selten die tatsächlichen Kostenstrukturen für IT-Projekte wieder. Den Stundensätzen müssen immer weitere Faktoren gegenübergestellt werden, die Auskunft über Effizienz und Leistungsfähigkeit geben: Wie gut ausgebildet sind neben den Programmierern und Testern auch die Projektmanager? Wie groß sind Sprachbarrieren? Wie schnell und einfach sind die jeweiligen Standorte im Nearshore-Land zu erreichen? Wie groß ist die kulturelle Nähe? Diese und weitere Komponenten tragen wesentlich dazu bei, wie schnell und erfolgreich Projekte umgesetzt werden können. Da sie deutlich schwerer zu greifen und zu beschreiben sind als reine Stunden- oder Tagessätze, finden sie weniger Beachtung bei kaufmännischen Entscheidungsträgern.
Dank regelmäßig durchgeführter, seriöser Studien wie die oben zitierte (ähnliches Material gibt es auch von anderen namhaften Einrichtungen wie z.B. der Gartner Group), welche die sog. “weichen Faktoren” detailliert analysieren und in Betracht ziehen, können jedoch viel realistischere Aussagen über die Attraktivität von Standorten getroffen werden.